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Gewässerverschmutzung V

Verendeter Fisch in einem eutrophierten
Eutrophierung wird verursacht durch die Zufuhr von
Nährstoffen, insbesondere durch Phosphor- und Stickstoffverbindungen,
welche einen Anstieg der Nettoproduktion pflanzlicher Biomasse in
Gewässern verursachen. Laut Definition der Universität Ulm:
Eutrophierung bezeichnet man den Übergang eines Gewässers von einem
nährstoffarmen (oligotrophen) in einen nährstoffreichen (eutrophen)
Zustand. Bei der Betrachtung der Eutrophierung unterscheiden wir die
diffusen und die punktförmigen Einträge. Diffuse Einträge gelangen in
die Gewässer über nicht lokalisierbare Wege, punktförmige hingegen
werden von industriellen Anlagen oder Klärwerken direkt in die Flüsse
geleitet. Als Hauptverursacher der diffusen Einträge gilt die
Landwirtschaft, wohingegen die punktuellen nur ein Drittel der
Gesamteinträge betragen. Der Vorgang ist darauf zurückzuführen, dass
Stickstoff und Phosphor wichtige Nährelemente zur Förderung des
Pflanzenwachstums sind.
Für den Prozess sind insbesondere die Stickstoffverbindungen relevant.
Stickstoff kommt im Boden und in der Atmosphäre in Verbindungen mit
Sauerstoff oder Wasserstoff als Nitrat, Nitrit, Ammonium, Ammoniak und
weiteren Stickoxiden vor, außerdem wird Stickstoff durch organische
Substanz gebunden und bei einer Zersetzung der Substanz wieder
freigesetzt, somit unterliegt der Stickstoffvorrat einer
kontinuierlichen Zu- und Abfuhr verschiedener Verbindungen. Eine
Verlagerung von Stickstoff findet dominierend (48 %) über das
Grundwasser statt. Das Wasser mit den Nitrat- und
Organischen-Stickstoffen wird mit dem Sickerwasser aus der Bodenlösung
ausgewaschen und gelangt auf diesem Wege in die Oberflächengewässer.
Dieser Vorgang findet in Mitteleuropa insbesondere in den Monaten
November bis März statt. Betrachten wir dieses als Prozess, als
Kreislauf, in Verbindung einer erhöhten Zufuhr von
Stickstoffverbindungen, so führt dies zu einer Überdüngung, auch genannt
Eutrophierung.
Mikroorganismen zersetzen die Biomasse und wandeln den enthaltenen
Stickstoff in Ammonium bzw. giftiges Ammoniak um. Dieses Ammonium kann
ab einem ph-Wert von 8,5 ein Fischsterben verursachen. Im optimalen Fall
werden diese beiden Stoffe von Bakterien der Gattung Nitrosomonas und
Nitrobacter zu Nitrat oxidiert, welches ein wichtiger Nährstoff für
Pflanzen und Tiere ist. Da Teichpflanzen, bzw. Lebewesen, das Nitrat nur
teilweise verbrauchen können, oder aber zusätzlich Stoffe dem See
zugeführt werden, so kann es aufgrund der immer wieder kehrenden
Restmengen zu einer Überdüngung des Sees kommen. Es kommt anfangs zu
einem raschen Aufblühen des Sees in Verbindung mit einer Trübung des
Wassers. Durch den erhöhten Sauerstoffbedarf und dem damit verbundenen,
folgenden Sauerstoffmangel kommt es zu einem Sterben der Algen. Das
Zersetzen dieser Biomasse durch Mikroorganismen verbraucht nochmals
einen großen Teil des Restsauerstoffes und es kommt zu anoxischen*²
Bedingungen, in denen Bakterien Nitrat zu Nitrit reduzieren, welches für
Fische giftig ist. Des Weiteren bildet sich Faulschlamm mit H2S, NH3 und
Methan, welcher am strengen Geruch wahrgenommen werden kann.
Ein Fischsterben ist somit durch eine Unterbrechung der Kette
vorbestimmt. Abhilfe kann nur durch eine bakterielle Denitrifikation*³
geschaffen werden, um das überschüssige Nitrat zu entfernen, da das
Hinzugeben von zusätzlichem Sauerstoff zu einer erhöhten Algenblüte
führen würde. Eine Unterbrechung bzw. Minderung des Prozesses kann zum
einen durch die Reduzierung des Lichteinfalls erreicht werden, wie z. B.
das Aufforsten des Uferbereichs. Interessant ist hierbei nicht nur der
Bezug zur Eutrophierung, sondern auch die ökologische Betrachtung der
Nachhaltigkeit interessant. Andere Maßnahmen müssen hingegen in
zeitlichen Abständen wiederholt werden, wie z. B. das Entfernen des
Faulschlammes durch Ausbaggern und der Einsatz von chemischen
Hilfsmitteln zur bakteriellen Bekämpfung. Die einfachste aber meist
nicht durchführbare Maßnahme ist die Minderung der Nährstoffzufuhr.
Nicht durchführbar, da wir auch natürliche Einflüsse in der
Eutrophierung betrachten müssen. Als Beispiel kann die „Möweninsel“ des
Lanker Sees bei Preetz genommen werden. Wie der Name schön verrät,
erfolgt dort die Nährstoffzufuhr durch Vogelkot. Organisch gebundener
Stickstoff, z. B. in Form toter Biomasse, wird durch Destruenten, bzw.
Reduzenten* in der tropholytischen*³³ Schicht zu Ammoniak (NH3)
umgewandelt, das mit Wasser Ammonium-Ionen (NH4+) ergibt (NH3 + H2O →
NH4+ + OH-).
Wir unterscheiden die zwei folgenden Vorgänge:
• Aerobe Verhältnisse: Aerobe Bakterien, Nitritbakterien (Nitrosomonas)
und Nitratbakterien (Nitrobacter) oxidieren das freigesetzte Ammonium
bei der Nitrifikation erst zu Nitrit (NO2-) und dann zu Nitrat (NO3-)
• Anaerobe Verhältnisse: Aufgrund der Sauerstoffzehrung aerober und
fakultativ anaerober Mikroorganismen reduzieren anaerobe Bakterien
Nitrat über Nitrit zu Ammonium. Andere Bakterien wandeln Nitrat bei der
Denifrikation zu Stickstoff (N2) um, indem sie es bei ihrem oxidativen
Energiestoffwechsel als Oxidans*³² verwenden, und somit das N2
freisetzen.
In der trophogenen Schicht entzieht Phytoplankton Stickstoff aus dem
noch vorhandenen Nitrat und Ammonium für die Synthese körpereigener
Stoffe wie Protein und produziert somit Biomasse, welche in den
Kreislauf gelangt. Das beim Abbau organischer Stoffe gebildete Ammonium
wird von Konsumenten genutzt und wird dem Kreislauf wieder zugeführt.
Um die Folgen der Eutrophierung zu verdeutlichen, wird der Vorgang an
einem realen Beispiel betrachtet. Dieser Vorfall geschah im
amerikanischen Potomac River. Anfangs, und auf dem Bild gut zu erkennen,
war eine verstärkte Algenblüte in den oberen Wasserschichten sichtbar.
Aufgrund der Überdüngung konnten sich große Mengen Phytoplankton bilden.
Nach dem darauf folgendem Absterben der Algen und dem Zersetzen durch
Bakterien kam es durch den hohen Sauerstoffbedarf der Bakterien zu einem
Sauerstoffmangel. Aufgrund dieses Mangels kam es anfangs zu einem
vermehrten Fischsterben, wodurch noch größere Mengen an organischer
Masse dem Wasser zugefügt wurden. Die Folgen dieses Szenarios war
schließlich ein Umkippen des Sees. Hiermit ist gemeint, dass der See
„stirbt“ und die enthaltenen Lebewesen aufgrund des nicht mehr
vorhandenen Sauerstoffs in ihrem Umfeld nicht überleben.[1]
Mineralstoffquellen
Eutrophierungserscheinungen im nördlichen Bereich des Kaspischen Meeres
östlich der Wolgamündung, Algenblüte durch hohe Düngerzufuhr
(Satellitenaufnahme von 2003)
Als Mineralstoffe gelten z. B. Phosphate, Nitrate und andere organische
und anorganische Stoffe.
Die Mineralsalzzufuhr durch die Zuflüsse des Sees oder durch
Windverfrachtung von Stäuben ist in der Regel gering.
Die meisten Mineralstoffe werden einem See in Form von organischem
Material zugeführt, das durch die Destruenten unter Sauerstoffverbrauch
remineralisiert wird.
Eine natürliche Quelle ist die Fracht der Zuflüsse an Organismen und
erodiertem Humus, vor allem bei Überschwemmungen. Hinzu kommt das Laub
der Bäume im Herbst. Kot kann bsw. durch Wasservögel einen See belasten,
vor allem, wenn Zugvögel den See in großen Massen als Rastplatz im
Frühjahr und im Herbst nutzen. Bei relativ flachen Seen, die sich im
Sommer im Epilimnion stark erwärmen und deren Hypolimnion nur einen
kleinen Sauerstoffspeicher darstellt, kommt es auf diese Weise zu einer
natürlichen Eutrophierung oder gar zur Hypertrophierung und damit zur
Verlandung. (Beispiele: Ehemaliger Rosenheimer See, Chiemsee)
Durch anthropogene Einflüsse kann es aber auch bei stabilen,
oligotrophen Seen zur Eutrophierung oder gar zum Umkippen des Gewässers
kommen:
• Die Einleitung ungeklärter Haushalts- und Industrieabwässer erhöht zum
einen die Belastung mit anorganischen und organischen Nährstoffen, zum
anderen kann sie durch Giftstoffe zum Absterben der Organismen führen.
• Zweistufige Kläranlagen mit mechanischer und biologischer Stufe leiten
Nitrat- und Phosphat-reiches Wasser in die Vorfluter ein. Enthält die
Kläranlage auch eine chemische Stufe, wird zwar das Phosphat
zurückgehalten, die Nitrate gelangen aber dennoch in die Gewässer. Erst
in neuerer Zeit werden Kläranlagen mit einer zweiten biologischen Stufe
ausgerüstet, die Bakterien enthält, welche die Nitrate durch
Denitrifikation in Stickstoff (N2) umwandeln. Außerdem erwärmen viele
dieser Kläranlagen das Wasser und nehmen dem Wasser somit die
Sauerstofflöslichkeit.
• Eine weitere anthropogene Quelle ist der Dünger-Eintrag aus der
Landwirtschaft mit Stickstoff- und Phosphat-Salzen. Da die Pflanzen
nicht alle Mineralsalze aufnehmen können, wird ein Teil des Düngers
ausgewaschen und gelangt damit in die Gewässer.
• Eine weitere Belastungsquelle stellt das Füttern von Wasservögeln und
Fischen sowie der Freizeitbetrieb an Badeseen dar.
Gegenmaßnahmen
Die einfachste Methode ist Lichtminderung. Wegen der verminderten
Lichtaufnahme können die Algen und die anderen Lebewesen erst gar keinen
kritischen Wert erreichen. Das kann durch Pflanzen von Bäumen an den
Fluss- und Seeseiten erreicht werden. Dies stellt wohl die günstigste,
und „natürlichste“ Möglichkeit dar; alle anderen Methoden sind von Jahr
zu Jahr zu wiederholen, um ein letztes Umkippen des Gewässers zu
verhindern. Viele Gewässer hatten diesen Pflanzenwuchs an den
sonnenbeschienen Flanken, erst durch Abholzen der schützenden Bäume
werden künstliche, aufwendige und nicht zuletzt im Vergleich zum
einfachen Wachstum der Bäume ineffektivere Methoden notwendig, wie:
• Sauerstoffzufuhr: Kurzfristig erfolgreich, da das Artensterben
ausbleibt. Langfristig erhöht sich allerdings dadurch auch die Menge des
Detritus, wodurch das Gewässer wieder eutroph wird („positive
Rückkopplung“).
• Nährstoffzufuhr einschränken durch Reinigen von Abwässern in
Kläranlagen (Phosphorelimination)
• Olszewski-Rohr: Abzug des nährstoffreichen und sauerstoffarmen
Tiefenwassers anstelle des oberflächlichen Ablaufes (Prinzip eines
kommunizierenden Gefäßes.)
• Verringern des Phosphatgehalts in z. B. Waschmitteln. Diese Maßnahme
ist allerdings schon weitestgehend geschehen.
• Entfernen von Faulschlamm durch Ausbaggern
• Entfernen der Algen
• Behandlung mit Mikroorganismen (z. B. EM – Technologie)
• Anlegen von Gewässerrandstreifen zur Eindämmung der durch Überdüngung
bedingten erhöhten Nährsalzzufuhr
All diese Maßnahmen können langfristig nur dann wirksam sein, wenn sie
dem Ökosystem See auf Dauer seine Selbstreinigung wieder ermöglichen.

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